Der Hitze-Tsunami rollt bereits über Deutschland hinweg und erreicht zum Wochenende seinen Höhepunkt. Bis zu 40 Grad, Nächte ohne Abkühlung und eine extreme Wärmebelastung setzen Mensch und Natur zu. Experten empfehlen jetzt dringend vorbeugende Schutzmaßnahmen.
Der Sommer zeigt derzeit, was in ihm steckt. Deutschland steckt bereits mitten in einer außergewöhnlichen Hitzewelle, doch der eigentliche Höhepunkt steht vielerorts noch bevor. Die Wettermodelle lassen kaum Zweifel zu: Zwischen Donnerstag und Samstag erreichen die heißesten Luftmassen des bisherigen Jahres Mitteleuropa. In zahlreichen Regionen steigen die Temperaturen auf 35 bis 40 Grad, lokal könnte die 40-Grad-Marke sogar überschritten werden.
Wer seine Wohnung kühl halten möchte, sollte schon jetzt handeln.
So lästig es auch sein mag: Stellen Sie den Wecker lieber eine Stunde früher.
Die kühlen Morgenstunden sind derzeit oft das einzige Zeitfenster, um Wohnungen durchzulüften, bevor der nächste Hitzetag beginnt. Eine Wetterlage wie festgenagelt Verantwortlich für die Hitze ist eine blockierende Omega-Wetterlage über Europa. Auf den Wetterkarten spannt sich ein mächtiger Höhenrücken vom Mittelmeerraum bis weit nach Skandinavien. Tiefdruckgebiete werden sowohl über dem Atlantik als auch über Osteuropa auf Abstand gehalten. Die Folge: Die Sonne kann Tag für Tag nahezu ungestört arbeiten.
Meteorologisch zeigt sich die außergewöhnliche Qualität der Luftmasse vor allem in rund 1500 Metern Höhe. Dort werden im sogenannten 850-hPa-Niveau Temperaturen zwischen 20 und 23 Grad gemessen beziehungsweise berechnet. Solche Werte gehören Ende Juni zu den höchsten Luftmassen, die Deutschland erreichen können. Unter nahezu ungehinderter Sonneneinstrahlung sind daraus am Boden verbreitet Temperaturen zwischen 35 und 40 Grad möglich.
Noch belastender als die Tageswerte werden vielerorts die Nächte. Während tagsüber die Thermometer auf Extremwerte steigen, fehlt nachts zunehmend die notwendige Erholung. In Ballungsräumen, Innenstädten und dicht bebauten Wohngebieten sinken die Temperaturen häufig nicht mehr unter 20 bis 25 Grad. Die aufgeheizten Gebäude geben ihre gespeicherte Wärme nur langsam wieder ab. Schlafzimmer werden zu Wärmespeichern, erholsamer Schlaf zur Herausforderung. Gerade deshalb raten Experten dazu, jede Gelegenheit zur nächtlichen Abkühlung zu nutzen.
Fenster sollten möglichst in den frühen Morgenstunden weit geöffnet werden. Sobald die Sonne wieder Kraft gewinnt, empfiehlt sich das Abdunkeln von Fenstern und Räumen.
Unter dem Einfluss des Omega-Hochs werden vielerorts nahezu die astronomisch maximal möglichen Sonnenstunden erreicht. Wolken bleiben meist Mangelware. Die intensive Sonneneinstrahlung heizt Straßen, Häuserfassaden und Böden Tag für Tag weiter auf. Wer sich längere Zeit im Freien aufhält, sollte auf ausreichenden Sonnenschutz achten. Helle, luftige Kleidung, Kopfbedeckungen und Sonnencreme werden in den kommenden Tagen praktisch unverzichtbar.
Besonders zur Mittagszeit sollte direkte Sonneneinstrahlung möglichst gemieden werden. Jetzt Vorsorge treffen Die Stiftung Gesundheitswissen empfiehlt, körperlich anstrengende Tätigkeiten möglichst auf die frühen Morgen- oder späten Abendstunden zu verlegen.
Einkäufe, Sport oder Gartenarbeit können bei Temperaturen nahe 40 Grad schnell zur Belastung für den Kreislauf werden. Ebenso wichtig ist ausreichendes Trinken. Wer schwitzt, verliert große Mengen Flüssigkeit und Mineralstoffe. Wasser, ungesüßte Tees oder verdünnte Fruchtsäfte gelten als geeignete Getränke. Alkohol sollte während der Hitzewelle möglichst gemieden werden.
Leichte Mahlzeiten mit Obst, Gemüse oder Salaten belasten den Organismus deutlich weniger als schwere und fettreiche Speisen.
Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte mögliche Auswirkungen der Hitze mit seinem Arzt besprechen. Einige Präparate können die Wärmeregulation des Körpers beeinflussen oder bei hohen Temperaturen anders wirken als gewohnt.
Aufeinander achten Während viele gesunde Erwachsene die Hitze zwar als anstrengend, aber beherrschbar erleben, geraten ältere Menschen, kleine Kinder und chronisch Kranke deutlich schneller an ihre Belastungsgrenzen. Experten empfehlen deshalb, regelmäßig nach Angehörigen, Nachbarn oder alleinlebenden Personen zu sehen.
Schon einfache Hilfeleistungen wie das Bereitstellen von Getränken oder das gemeinsame Lüften können während einer Hitzewelle wichtig werden.
Besondere Vorsicht gilt außerdem im Straßenverkehr.
Menschen oder Tiere dürfen bei diesen Temperaturen niemals im Auto zurückgelassen werden. Bereits nach kurzer Zeit können im Fahrzeug lebensgefährliche Temperaturen entstehen.
Trotz der enormen Hitze bleibt die Atmosphäre zunächst erstaunlich ruhig. Der starke Hochdruckeinfluss wirkt wie ein Deckel auf die Luftmasse und verhindert vielerorts die Bildung größerer Gewitter.
Erst zum Wochenende nimmt die Gewitterneigung langsam zu. Dann können sich lokal kräftige Hitzegewitter entwickeln. Aufgrund der enormen Energie in der Atmosphäre sind Starkregen, Hagel und schwere Sturmböen möglich. Eine nachhaltige Entspannung zeichnet sich frühestens zu Beginn der kommenden Woche ab. Bis dahin dürfte Deutschland eine der markantesten Hitzelagen der vergangenen Jahre erleben – mit Temperaturen nahe der 40-Grad-Marke, tropischen Nächten und einer Wärmebelastung, die vielerorts rund um die Uhr anhält.