Das Jahr 2026 begann so kalt wie schon lange ein Jahr nicht mehr begonnen hatte. Die ersten Wochen des Jahres fielen im bundesweiten Mittel zu kalt aus, und das gegenüber dem Klimamittel von 1961 bis 1990, einer Zeit, aus der viele Menschen heute noch Erinnerungen an harte Winter und lange Kälteperioden haben. Es war also tatsächlich eine ziemlich kalte Phase, die uns im Vergleich zu den vergangenen Jahren recht außergewöhnlich vorkam. Große Teile Deutschlands waren im Januar über mehrere Wochen hinweg mit Schnee bedeckt, vielerorts waren die Schneehöhen im zweistelligen Bereich.
Doch ist so eine Wetterlage noch normales Winterwetter oder handelt es sich tatsächlich um eine sehr außergewöhnliche Situation?
Wetterwarnungen oft als überspitzt wahrgenommen
Zurzeit kursieren in vielen Medien Beiträge von Menschen aus ganz Deutschland, die von der vergangenen winterlichen Wetterphase wenig beeindruckt waren. Kommentare, wie „Endlich haben wir wieder einen normalen Winter" oder „Es wurde mal wieder heißer gekocht, als gegessen wurde", liest man in diesen Tagen häufig unter Wetterthemen im Netz. Tatsächlich blieb das ganz große Chaos in vielen Landesteilen trotz kalten Temperaturen und teils erheblichen Neuschneemengen aus. Nur einzelne Regionen wurden stärker getroffen. Insbesondere Sturmtief „Elli" sorgte am 09. Januar im Norden regional für chaotische Zustände im Straßenverkehr, bei der Bahn und auch im Schulbetrieb. So war der gesamte Fernverkehr im Norden Deutschlands bis zum nächsten Morgen (10. Januar) eingestellt und in einigen Orten, u.a. in Hannover, fielen zeitweise alle Verbindungen im ÖPNV aus. Dennoch wird die Situation selbst im Norden oft als „normales Winterwetter" beschrieben.
Hier liegt das Problem der Wetterwarnungen: Eine Warnung, die z.B. vom Deutschen Wetterdienst (DWD) für eine Region ausgegeben wird, bezieht sich immer auf die Möglichkeit einer prekären Witterungslage. Allerdings muss diese nicht ohne Zweifel eintreten oder es sind nur sehr kleinräumige Ereignisse, von denen der Großteil der Bevölkerung kaum etwas mitbekommt. Besonders deutlich sieht man dieses Phänomen im Sommer bei Gewitterwarnungen. Aber auch im Winter können sich die Schneemengen regional stark unterscheiden, die Temperaturen knapp um den Gefrierpunkt schwanken und so für Glätte sorgen – oder eben nicht und auch der Wind ist lokal oft sehr unterschiedlich stark. Dadurch werden Warnungen häufig als „Zu dramatisch" wahrgenommen. Eine Wetterwarnung sollte daher so gelesen werden, dass es die Möglichkeit der entsprechenden Lage gibt, aber dies keinesfalls auch deren Eintritt prophezeit. Dennoch sollte man Warnungen ernst nehmen, auch wenn das Wetter am eigenen Wohnort in den meisten Fällen „ruhiger" bleibt, als in den Medien angekündigt.
Ist das, was wir dieses Jahr erleben, ein „ganz normaler Winter von damals"?
Ja und Nein.
Durch den fortschreitenden Klimawandel sind die Durchschnittstemperaturen in Deutschland seit Ende des 19. Jahrhunderts um knapp 2,5 Grad gestiegen. Das entspricht etwa dem Doppelten Wert des globalen Mittels. Entsprechend spürbar hat sich auch das Wetter bei uns in den vergangenen Jahrzehnten verändert: Hitzerekorde im Sommer sind keine Seltenheit mehr und Schnee ist für die meisten von uns schon seit Jahren zu einem besonderen Ereignis geworden. Daher sind wir auf winterliche Wetterbedingungen tatsächlich weniger gut vorbereitet als noch vor einigen Jahrzehnten. In vielen Städten wurde der Winterdienst beispielsweise in kleinen Nebenstraßen eingestellt, die Bahn verfügt über weniger Infrastruktur für Winterwetter und Schulen haben aus den Folgen der Corona-Pandemie gelernt, dass auch Distanzunterricht für kurze Zeiträume funktionieren kann, wodurch die Schwelle für wetterbedingte Schulschließungen seitdem gesunken ist. Es fand also eine Art „Winter-Abrüsten" statt, da die Notwendigkeit der Winterausrüstung bezüglich der seltener gewordenen Schneefälle in Deutschland ökonomisch nicht mehr als sinnvoll erachtet wird. Entsprechend stark sieht man dann die Folgen, wenn es doch einmal zu tief winterlichen Bedingungen kommt, wie eben Anfang diesen Jahres. Die Wetterlage mag also eine ähnliche sein wie vor einigen Jahrzehnten, aber wir sind kaum noch darauf vorbereitet. Tatsächlich gab es im Zeitraum zwischen 1961 bis 1990 in Deutschland eindeutig mehr Schnee und Frost als in der vergangenen Messperiode von 1991 bis 2020. So ist die Zahl der Schneetage in Berlin in diesem Zeitraum von durchschnittlich 40 auf 15 Tage im Jahr gesunken. Hierfür muss mindestens ein Zentimeter Schnee an einer offiziellen Station registriert werden. Auch wenn es seltener geworden ist, müssen wir daher immer im Kopf behalten, dass auch in Zukunft einzelne strenge Winterlagen entstehen können. Es ist also nicht nur das Wetter, welches uns fremd vorkommt, sondern vor allem unser Umgang damit. Trotz allem: In manchen Regionen war die Lage in den vergangenen Tagen tatsächlich auch im Vergleich zu früheren Wintern sehr winterlich. Zwar sollte man dies nicht mit dem „Katastrophenwinter" 1978/79 gleichsetzen, dennoch waren die Schneemengen gerade in Norddeutschland eine Besonderheit, die nur selten in dieser Ausprägung auftritt.