El Niño ist die warme Phase der El Niño–Southern Oscillation (ENSO). Dabei erwärmt sich das Oberflächenwasser im zentralen und östlichen tropischen Pazifik überdurchschnittlich stark, was Passatwinde, Luftdruckverteilung und Niederschlagsmuster verändert — mit Auswirkungen weit über den Pazifik hinaus. Das Gegenstück, La Niña, beschreibt eine ungewöhnliche Abkühlung derselben Region und wirkt global leicht dämpfend auf die Temperatur, bringt aber ebenfalls regionale Extreme mit sich.
Ein El Niño erhöht typischerweise das Risiko für Dürren und Hitze in Australien, Indonesien, Südostasien, im südlichen Afrika sowie im Norden und Nordosten Südamerikas. Gleichzeitig nehmen Starkregen und Überschwemmungen andernorts zu — besonders an der Westküste Südamerikas (Peru, Ecuador), in Teilen Ostafrikas sowie im Süden der USA und Nordmexiko. Zusätzlich steigt die globale Mitteltemperatur, weil mehr Wärme aus dem Pazifik an die Atmosphäre abgegeben wird. In La-Niña-Jahren verlaufen viele dieser Muster grob entgegengesetzt.
Besonders spannend ist der Blick auf Ende 2026: Aktuelle Prognosen deuten darauf hin, dass sich bis dahin erneut ein El Niño entwickeln könnte — manche Berechnungen sehen sogar einen extremen Super-El-Niño voraus. Wie stark er tatsächlich ausfällt, ist allerdings noch offen. Ein kräftiges Ereignis ist durchaus möglich, ein außergewöhnlich starkes lässt sich aber noch nicht sicher ableiten. Sollte sich eine deutlich positive Phase aufbauen, wären die Folgen weltweit spürbar: höhere Temperaturen, mehr Hitzewellen, größere Dürregefahr in ohnehin trockenen Regionen und zugleich mehr Starkregen andernorts — als zusätzlicher Verstärker in einem durch den Klimawandel ohnehin belasteten System.
Für Europa ist der Einfluss schwerer einzuschätzen, weil er deutlich indirekter wirkt als in den Tropen. Über Veränderungen der großräumigen Zirkulation kann ein starkes Ereignis aber auch den Nordatlantik und damit Europa beeinflussen. Bei einem kräftigen El Niño könnten sich zeitweise die Chancen auf wechselhafteres, feuchteres Wetter erhöhen — vor allem für Westeuropa (Spanien, Frankreich, Portugal, Benelux, Britische Inseln) und ostwärts bis nach Mitteleuropa (Deutschland, Schweiz, Österreich). Das könnte mehr Tiefdruckeinfluss, häufigeren Regen und intensivere Niederschläge bedeuten, in bestimmten Lagen auch ein erhöhtes Hochwasserrisiko. Auch kräftige Windfelder und einzelne Sturmsysteme könnten sich häufen. El Niño wäre dabei nicht die alleinige Ursache, könnte solche Tendenzen aber begünstigen.
Unterm Strich ist El Niño weit mehr als eine Erwärmung im Pazifik — es ist ein globales Klimasignal, das Wetter und Klima auf mehreren Kontinenten prägen kann. Sollte sich Ende 2026 tatsächlich ein stärkerer El Niño entwickeln, wären die Folgen weltweit spürbar, auch in West- und Mitteleuropa.