Kathy Schrey
Seltener Sonnensturm lässt Himmel über Deutschland leuchten NOAA meldet extreme Strahlung – Polarlichter bis in mittlere Breiten sichtbar
Während das Wetter in Deutschland von Hochdruck und klarer Luft geprägt ist, hat ein außergewöhnliches Ereignis aus dem All den Nachthimmel verändert. Ein schwerer solarer Strahlungssturm der Stufe S4, bestätigt von der US-Wetterbehörde NOAA, hat nicht nur technische Warnungen ausgelöst, sondern auch sichtbare Spuren hinterlassen: In mehreren Regionen Deutschlands wurden eindrucksvolle Polarlichter beobachtet.
Was hinter dem Ereignis steckt
Nach Angaben des Space Weather Prediction Center der NOAA befindet sich seit dem 19. Januar 2026 ein S4-Solarstrahlungssturm in Entwicklung. Messungen des Satelliten GOES-19 zeigen stark erhöhte Teilchenströme aus der Sonne. Solche Strahlungsstürme zählen zu den seltensten Formen des Weltraumwetters und wurden zuletzt in vergleichbarer Stärke im Jahr 2003 registriert. Die Ursache liegt in einer extrem energiereichen Sonnenaktivität, bei der geladene Teilchen mit hoher Geschwindigkeit ins All geschleudert wurden. Treffen diese Teilchen auf das Erdmagnetfeld, geraten dessen Schutzmechanismen unter Druck.
Warum Polarlichter in Deutschland sichtbar wurden
Normalerweise beschränken sich Polarlichter auf hohe Breiten nahe der Pole. Durch die außergewöhnliche Stärke des aktuellen Ereignisses wurde das Magnetfeld der Erde jedoch so stark angeregt, dass die sogenannten auroralen Zonen weit nach Süden ausgedehnt wurden. Geladene Teilchen drangen entlang der Magnetfeldlinien in die Hochatmosphäre ein und regten dort Sauerstoff- und Stickstoffatome an. Beim anschließenden Energieabbau entstand das typische Leuchten in Grün-, Rot- und Violetttönen, das in der klaren Nachtluft vielerorts auch in Deutschland sichtbar war.
Hochdruck begünstigt die Beobachtungen
Besonders auffällig: Die Polarlichter fielen zeitlich mit einer stabilen Hochdrucklage zusammen. Klare Nächte, geringe Luftfeuchtigkeit und kaum Bewölkung sorgten für außergewöhnlich gute Sichtbedingungen. Viele Beobachter berichteten von ungewöhnlich intensiven Farben und großflächigen Lichtbändern am Himmel – ein Anblick, der in Mitteleuropa nur bei sehr starken geomagnetischen Ereignissen möglich ist.
Technische Auswirkungen bleiben im Fokus
Trotz der faszinierenden Erscheinungen weist NOAA auf mögliche Risiken hin. Ein S4-Strahlungssturm kann insbesondere den Flugverkehr auf Polarstrecken, Hochfrequenzfunk und Satelliten beeinträchtigen. Auch Raumfahrtmissionen und Satelliten in geostationärer Umlaufbahn sind erhöhten Belastungen ausgesetzt. Entsprechend wurden internationale Behörden und Betreiber frühzeitig informiert. Für Menschen am Boden besteht hingegen keine gesundheitliche Gefahr. Die Erdatmosphäre bietet weiterhin zuverlässigen Schutz vor schädlicher Strahlung.
Ein seltenes Zusammenspiel von Wetter und Weltraum
Das Ereignis zeigt eindrucksvoll, wie eng Wetter auf der Erde und Prozesse auf der Sonne miteinander verknüpft sein können. Während am Boden Ruhe herrscht, kann es in mehreren hundert Kilometern Höhe zu extremen physikalischen Vorgängen kommen – sichtbar gemacht durch tanzende Lichter am Nachthimmel. NOAA beobachtet die weitere Entwicklung des Sonnensturms weiterhin genau. Ob weitere Polarlichtnächte folgen, hängt von der anhaltenden Aktivität der Sonne ab.
Quelle: National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) Space Weather Prediction Center – „S4 (Severe) Solar Radiation Storm in Progress, January 19th, 2026"