Das steckt hinter dem alpinen Föhn
Föhn entsteht, wenn Luftmassen über die Alpen gedrückt werden. Auf der Südseite steigt dann die feuchte Luft auf, kühlt ab und verliert einen Teil ihrer Feuchtigkeit in Form von Niederschlag. Hinter dem Alpenhauptkamm sinkt diese Luft wieder ab. Sie wird dabei trockener und wärmer.
In Nordtirol, im Salzburger Land oder im Berner Oberland lassen sich während solcher Lagen oft plötzliche Temperaturanstiege und eine sehr geringe Luftfeuchte messen. Die Wetterstationen zeigen dann Werte, die innerhalb weniger Stunden um mehrere Grad steigen, zusätzlich begleitet von starkem Südwind.
Warum Neuschnee so empfindlich reagiert
Frisch gefallener Schnee besteht aus feinen Eiskristallen mit viel eingeschlossener Luft. Diese Struktur sorgt für das typische leichte, griffige Gefühl unter den Skiern. Steigt die Temperatur rasch an, beginnt dieser Schnee zu schmelzen.
Das Wasser sammelt sich zwischen den Körnern, die Luft entweicht und der Schnee verdichtet sich. Gleichzeitig trocknet der Föhn die Oberfläche aus. Es entstehen dadurch harte Krusten oder nasse, schwere Schichten. Genau in dieser Phase entscheidet sich, ob die persönliche Ausrüstung, allen voran die genutzten Ski, mit dem wechselnden Untergrund zurecht kommt.
So verändert sich der Untergrund auf der Piste
Durch den höheren Wasseranteil im Schnee sinkt die innere Reibung der Schneekörner. Die Skier gleiten dann anders und ihre Kanten greifen weniger gleichmäßig.
Gleichzeitig führt die trockene Föhnluft dazu, dass die Oberfläche wieder anfriert, vor allem in schattigen Bereichen oder in höheren Lagen. Dadurch wechseln sich weiche Zonen mit harten, glatten Abschnitten ab. Für Skifahrer:innen geht damit unruhigeres Fahrgefühl einher, das mehr Aufmerksamkeit und eine saubere Technik erfordert.
Das sind die messbaren Zeichen eines Föhntages
Die Föhnlagen lassen sich an klaren Wetterdaten erkennen. Typisch für sie sind starke Südwinde, große Druckunterschiede zwischen Nord und Süd der Alpen sowie eine sehr geringe relative Luftfeuchte.
In vielen Skigebieten werden diese Werte öffentlich angezeigt. Wer morgens einen Blick auf Temperaturverlauf und Wind wirft, erkennt also schnell, ob ein Föhntag bevorsteht. Diese Daten stammen aus dem Netz der alpinen Wetterdienste und werden kontinuierlich aktualisiert.
Die Auswirkungen auf Sicherheit und Lawinenlage
Durch den warmen Wind und die Schneeverfrachtung verändern sich auch die Schichten in der Schneedecke. Triebschnee sammelt sich auf Leehängen und auf der windzugewandten Seite wird der Untergrund gleichzeitig abgeblasen.
Auch die Lawinenwarndienste berücksichtigen den Föhn deshalb bei ihren täglichen Einschätzungen. In solchen Phasen steigt die Gefahr von Schneebrettlawinen − selbst wenn zuvor stabile Verhältnisse herrschten.
Der Föhn gehört einfach dazu
Der Föhn gehört zum alpinen Winter genauso wie Neuschnee und Sonnentage. Innerhalb weniger Stunden verwandelt er lockeres Pulver in eine anspruchsvolle Mischung aus Nassschnee und harten Krusten.
Wer diese Prozesse kennt, fährt jedoch gleich bewusster, sicherer und mit realistischeren Erwartungen auf die Piste.